Im Gespräch mit Gudrun Haefke

gudrun_haefke-in-aktionInterviewSven Brack

Gudrun Haefke

Inhaberin
Figurentheater Silberhöhe

Hallo Frau Haefke.

Guten Tag

 

 Wie kamen Sie auf die Idee, das Figurentheater ANNA-SOPHIA zu gründen?

Ich war lange Jahre am Puppentheater Halle als Spielerin und Regisseurin engagiert.
Das Figurentheater ANNA-SOPHIA gründete ich 1995. Nach der „Wende“ wurde es immer absehbarer, dass unser Ensemble aufgelöst werden würde, was auch 1996 erfolgte. Bis 1997 war ich am Puppentheater Halle engagiert. Von da an war ich ein mobiles Theater, ohne feste Spielstätte, gestartet mit meinen 4 Solo – Inszenierungen, die mit mir nicht verlängert wurden. Nichtverlängerung – so nennt sich am Theater der Kündigungsbescheid. Möglich wurde diese Kündigung, durch Wechsel in der künstlerischen Leitung, sie erlaubt den neuen Leiter das Ensemble neu zu formieren, wovon reichlich Gebrauch in fast jedem Theater gemacht wurde und wird.

 

Sie waren bis 1997 am Puppentheater hier in Halle, bereits 1995 gründeten Sie das Figurentheater ANNA-SOPHIA. Was geschah mit dem Figurentheater in den Jahren zwischen 95 und 97? Ein Projekt? Ein zweites Standbein? Ein verwirklichter Traum?

Bis 1997 war ich noch sporadisch auf Honorarbasis am Puppentheater beschäftigt und spielte in dieser Zeit 50 mal „Zwerg Nase“ – die Inszenierung, die das Puppentheater Halle finanzierte und die ich nach meinem Abgang vom Theater als Abfindung mitnehmen konnte.
In den arbeitsfreien Zeiten kümmerte ich mich um Auftrittsorte und saß mit einem Bekannten, einem Designer, an einem Logo und einer Werbebroschüre sowie Visitenkarten. Als wir die Form hatten, organisierte er den Druck.

Während dieser Zeit bearbeitete ich ein neues Märchen „Rotkäppchen“ und zusammen mit einem Musiker und einem Ausstatter entwickelten wir die Figuren und die Bühne. Auch nach der Nichtverlängerung am Theater stand für mich fest, diesen Beruf möchte ich weiter ausüben – Theatermachen für Kinder und Familien ist für mich das Größte.
Ich versuchte schon immer meine eigene Kindheit „in der Tasche“ behutsam zuhüten.
Es ist beglückend, erfrischend und es braucht meine gesamte Person um den Kindern Geschichten vorzuspielen, mit den Kindern zuspielen, um ihre Reaktionen aufzufangen.

 

Wie ging es weiter nach 1997?

Ab 1997 spielte ich dann in der „Pusteblume“ in Halle- Neustadt, damals noch ein Sozio-Kulturelles Zentrum. Monatlich spielte ich 5 Vorstellungen für die Kindereinrichtungen und einmal Sonntags für Familien, in der Regel kamen ungefähr 450 Zuschauer monatlich.

Bis 2002 in der „Sonnenblume” in Heide – Nord, 2. Standbein der „Pusteblume“. Doch dieser Ort war sehr ungeeignet.

Seit dieser Zeit suchte ich verstärkt nach einer neuen Bleibe für meine Inszenierungen.

 

Fanden Sie auf ihrer Suche nach einer neuen Spielstätte Weggefährten bzw. Unterstützer?

Ich suchte nach bezahlbaren Räumlichkeiten, die für Kindergruppen gut zuerreichen waren und die dennoch verkehrsberuhigt liegen. Innerhalb der Stadt aussichtslos, ich fand im Zentrum der Stadt nichts, entweder zu klein, zu laut oder zu teuer. Von der Stadtverwaltung, an die ich mich wandte, nichts. Vom Kinderbüro bekam ich den Hinweis, an Frau Jonas in der Silberhöhe zuwenden.

Dies tat ich und es war zu einem Zeitpunkt, wo ein Kunstprojekt „Spur der Steine“ anlief. Frau Jonas war sehr angetan und Frau Dr. Herden vom „Stern“ halfen mir den Kontakt mit der WG Leuna zu finden, denn die WG Leuna hatte die optimalen Räumlichkeiten mit der ruhigen Umgebung und eine günstige Verkehrsanbindung, Straßenbahn Linie 1 + 2 + 3 + 6 und S-Bahn. Leider sind die Linien 3 + 6 wegrationalisiert worden.

 

 Also blieben Sie in den Räumen der WG Leuna?

Ja. Die WG Leuna unterbreitete mir einen sehr günstigen Mietvertrag.

 

 2003 Eröffnung des Theaterhauses ANNA-SOPHIA.

Im November 2003 eröffnete ich das Theaterhaus ANNA-SOPHIA mit einer neuen Inszenierung.

Das Theaterhaus ANNA-SOPHIA wird von den Kindereinrichtungen gut angenommen, nicht nur aus dem Süden der Stadt sondern auch aus anderen Stadtteilen sowie von Kindereinrichtungen des Umlandes. Zu den Familienvorstellungen kommen oft junge Eltern aus Japan, Kanada, Frankreich, China u.a. ehemalige Hallenser, die ihre Eltern in Halle besuchen und auch die Vorstellungen im Theaterhaus. Seit 2008 besteht mit der WG Leuna, mittlerweile Bauverein & WG Leuna, ein Sponsoringvertrag. Von mir sind nur die Nebenkosten für das Theater zuentrichten und im Gegenzug spiele ich 3-4 Vorstellungen für die WG.

 

Seit 2003 sind 10 Jahre vergangen …

2013 besteht das Theaterhaus ANNA-SOPHIA 10 Jahre, im November wird das Jubiläum gefeiert. Als Figurentheater ANNA-SOPHIA bin ich weiterhin durch Einladungen mobil unterwegs. Mit einem Team bestehend aus Regisseur, Ausstatter und Musiker erarbeitete ich, seit 1997, jährlich eine neue Inszenierung. Mittlerweile besteht das Repertoire aus 20 Inszenierungen, die überwiegend durch Projekt Förderung des Landes und der Stadt ermöglicht wurden. Im Jahr habe ich durschnittlich 7000 – 8000 Zuschauer im Theaterhaus bzw. durch Gastspiele an anderen Orten.

Zum Abschluss noch 3 Fragen, die Sie bitte kurz beantworten.

 

Arbeiten als Künstler in Halle (Saale) auf einer Skala von 1 bis 10.
1 schwierig 10 sehr angenehm?

In der Skala von … Ich bin etwas unsicher… vielleicht 6-7.
Die Kindereinrichtungen bis hin zu den Fördereinrichtungen kommen sehr gern und oft. Bei den Familien direkt aus der Stadt Halle ist es eher durchwachsen. Die Vorurteile gegenüber der Silberhöhe, in den Köpfen der Leute, sind noch groß.
Interessanterweise teilen Familien aus den umliegenden Orten wie Bitterfeld, Zeitz, Weißenfels und Merseburg diese Vorurteile gegenüber dem Stadtgebiet nicht. Ganz im Gegenteil, sie fahren zum Theater auf die Silberhöhe und sind begeistert. Einige Male konnte ich auch junge Familien aus Japan, Frankreich, Spanien, China und Kanada begrüßen, die ihre Eltern in Halle–Silberhöhe besuchten.

 

Was ist leichter aufhören oder anfangen?

Da ich eigentlich Tänzerin werden wollte, ich aber das Studium an der Ballettschule Berlin auf Grund von Rückenproblemen aufgeben musste, bin ich auf Anraten des damaligen Intendanten des PTH (Red.: Puppentheaters) Halle, ich kannte ihn seit meiner Kindheit, am Puppentheater engagiert wurden. Das war am Anfang schwer mich, von der Tänzerin zum Puppentheater.

Nun bin ich gern Puppenspielerin und habe viele Geschichten für Kinder im Repertoire meines Figurentheaters. Merke aber auch, dass die Kinder es lieben ins Theater zu kommen, da es zum Teil die einzige Möglichkeit für Kinder ist Geschichten zu hören und sie kennenzulernen.

Aber zurück zur Frage, was ist leichter?
Aufzuhören,… obwohl ich wie jeder andere Mensch jeden Tag älter werde.

 

Beenden Sie bitte den Satz. Der Hallenser an sich ist:

bodenständig – ist mitunter sehr pragmatisch, etwas stur, bis hin zur Unfreundlichkeit aber auch freundlich und offen. Also durch und durch ein Mensch von heute.
Jedoch die reichlichen Ausnahmen… bestätigen die Regel. (lächelt)

 

Danke und viel Erfolg, liebe Frau Haefke.

Weitere Informationen zur Künstlerin

Theater Anna Sophia Aufführung Zwerg Nase

Theater Anna-Sophia

ANNA-SOPHIA zeigt Geschichten aus Märchen mit Marionetten,
Tischfiguren und Schattenspielfiguren.